Abendandacht Nr. 5


Guten Abend,

der Tag ist vorbei, du fährst nach Hause. In den Nachrichten hörst du einen kurzen Bericht über eine kleine Stadt in Indien, wo ein paar Einwohner auf sonderbare Art an einer Krankheit gestorben sind, die noch völlig unbekannt ist. Du denkst nicht weiter darüber nach. Drei Tage später kommt im Fernsehen ein kurzer Bericht im Abendjournal. Als du am Montagmorgen wach wirst, siehst du es in großen Schlagzeilen in der Zeitung.

Aber es betrifft nicht mehr nur Indien, ist es auch schon in Pakistan, Afghanistan und Iran. Dann kommt der Präsident von Frankreich mit einer Ankündigung, die alle aufschreckt: Er schließt die Grenzen. Keine Flüge mehr aus oder in die betroffenen Länder. Am Abend siehst du in den Nachrichten, dass eine französische Frau berichtet, dass im Krankenhaus in Paris ein Mann liegt, der an der geheimnisvollen Krankheit sterben wird. Sie ist also nach Europa gekommen, Panik bricht aus.

Am Dienstagabend macht der amerikanische Präsident folgende Ankündigung: Keine Flüge aus Europa und Asien, weil dadurch die Volksgesundheit bedroht ist. Binnen 4 Tagen ist die gesamte Welt in Panik. Überall in Deutschland breitet sich die Krankheit aus. Hamburg, Frankfurt, München, Heidenheim ....

Dann kommt ein Bericht: Der Code der Krankheit ist geknackt, ein Heilmittel kann gefunden werden. Es muss aus einer Blutprobe von jemandem hergestellt werden, der noch nicht infiziert ist. Überall werden Menschen aufgerufen, in die nächste Klinik zu gehen, und das Blut untersuchen zu lassen. Menschen gehen in Massen in die Krankenhäuser, um dem dringenden Aufruf zu folgen. Als du mit deiner Familie am späten Freitagabend im Krankenhaus ankommst, steht dort schon lange Schlangen von Menschen.

Krankenschwestern und Ärzte stechen in die Finger und kleben Etiketten auf die Proben. Deine Frau und deine Kinder waren schon dran. Du wirst gebeten, zu warten, bis dein Name aufgerufen wird, und du nach Hause gehen kannst. Da kommt ein junger Mann aus dem Krankenhaus, schreit und wedelt mit einem Stück Papier. Du kannst es nicht verstehen.

Dann zieht dich dein kleiner Sohn am Ärmel und sagt: „Papa, das bin ich!“ Bevor du es kapierst, packen sie ihn und nehmen ihn mit. „Augenblick, gleich haben wir’s“ und dann „es ist gut, sein Blut ist sauber. Perfekt. Wir wissen sicher, dass er die Krankheit nicht hat. Wir denken, dass er die richtigen Bluteigenschaften hat.“

Fünf angespannte Minuten später kommen die Doktoren und Schwestern heraus. Sie weinen und umarmen sich, manche lachen sogar. Es ist das erste Mal seit einer Woche, dass du jemanden lachen siehst. Ein alter Doktor kommt auf dich zu: „Vielen Dank, mein Herr. Die Bluteigenschaften Ihres Sohnes sind perfekt. Es ist sauber, es ist rein, wir können das Heilmittel herstellen.“

Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Alles jubelt, und freut sich. Da kommt der alte Doktor auf dich und deine Frau zu und sagt: „Können wir Sie mal eben sprechen? Wir waren uns nicht im Klaren, dass der Spender ein Minderjähriger ist und wir brauchen dazu Ihre Unterschrift.“ Du beginnst zu unterschreiben, als du plötzlich siehst, dass die Anzahl der Blutfläschchen, die abgenommen werden sollen, nicht eingetragen ist. „Wie viele Flaschen?“ Da verschwindet das Lächeln des alten Doktors und er sagt: „Wir hatten keine Ahnung, dass es sich um ein Kind handelt. Wir waren nicht darauf vorbereitet. Wir benötigen sein ganzes Blut.“ Du versuchst noch zu sagen: „Aber begreifen Sie denn nicht ...“ „Wir sprechen hier über die ganze Welt. Bitte unterschreiben Sie! Wir alle haben es nötig.“

„Können Sie keine Bluttransfusion geben?“ „Wenn wir sauberes Blut hätten, würden wir es tun. Würden Sie unterschreiben, bitte?“ In eisiger Stille unterschreibst du.

Dann sagen sie: „Wollen Sie noch einen Moment zu ihm, bevor wir anfangen?“ Kannst du zurückgehen? Kannst du in den Raum, wo er an dem Tisch sitzt und sagt: „Papa, was wird hier gemacht?“ Kannst du seine kleinen Hände fassen und sagen: „Junge, ich habe dich ganz lieb und werde aufpassen, dass dir niemals was passiert, was nicht unbedingt notwendig ist, verstehst du das?“ Und als der alte Doktor zurückkommt und sagt: „Es tut mir leid, wir müssen anfangen. Überall auf der Welt sterben Menschen“ – kannst du dann hinausgehen? Kannst du weggehen, während dein Sohn fragt: „Papa, Papa, warum hast du mich verlassen?“

Und in der folgenden Woche hält man die Gedenkzeremonie ab, um deinen kleinen Sohn zu ehren, während manche Menschen einfach liegen bleiben und ausschlafen, oder zum Picknick an den See fahren, und andere schon längst vergessen haben, wie ernst es um sie stand! Du würdest am liebsten aufspringen und rufen: “Mein Sohn starb für euch! Ist euch das wirklich egal? Wisst ihr nicht, wie wichtig das für mich ist?

Das große Geschenk, das Jesus uns macht: So sehr hat Gott die Welt (dich und mich) geliebt, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an IHN glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.


Euer

Bild "Abendandachten:lrappus.JPG"