Abendandacht Nr. 54


Guten Abend,

wenn der Shutdown überall langsam gelockert oder auch ganz aufgegeben wird, ist es Zeit inne zu halten. Was passiert da? Welche Dynamiken wirken da?

Auf vielen Kundgebungen der letzten Tage war zu lesen und zu hören:

„Gebt uns unser altes Leben wieder zurück!“

Zurück zum Gewohnten.

Zurück zum Berechenbaren.

Zurück in die Sicherheit meiner Komfortzone.

Dorthin, wo ich alles im Griff habe. Wo ich den Überblick besitze und die Dinge kalkulierbar für mich sind. Ist das wirklich erstrebenswert?

Kann mir das im Blick auf die globalen Umwälzungen irgendjemand garantieren?

Ich kenne das sehr wohl auch. Ich will die Herausforderungen meistern. Ich will mich bewähren und letztlich unabhängig und selbstständig sein.

Als ich heute die Geschichte von Mose und dem Volk Israel las, als sie nach Meriba kamen, dachte ich, es hat sich in all den Jahrtausenden nichts geändert.

Bild "Abendandachten:Wasser_aus_Felsen.jpeg"

Den Israeliten gings dreckig. Sie waren in der Krise, besser gesagt in der Wüste. Die Wasservorräte waren knapp geworden und die Proteste wuchsen. Unzufrieden plärrte der Mob seinen Frust heraus.

„Wie konntet ihr nur solche Entscheidungen treffen? Warum habt ihr uns in diese Lage gebracht?“ klang es unisono. „Früher war alles besser! Ja, damals in Ägypten war es prima!“

So sind wir. In der Krise zeichnen wir häufig ein glorifiziertes Bild der Vergangenheit. „Heute ist alles blöd, vor 20 Jahren, da war es klasse…".

Mose und Aaron gehen in dieser brenzligen Situation ins Gebet. Sie suchen Hilfe bei Gott. An der Stiftshütte spricht Gott in ihre Notlage hinein. „Nimm deinen Stab! Ruf mit deinem Bruder Aaron das Volk vor dem Felsen dort zusammen! Vor ihren Augen sollt ihr zu dem Stein sprechen! Dann wird Wasser aus ihm herausfließen, und ihr könnt den Menschen und Tieren zu trinken geben.“

Krasse und außergewöhnliche Vorgehensweise. Wer schon mal einen Felsen zerschlagen hat, der weiß, da ist alles knochentrocken. Mose und Aaron wagen das schier Unglaubliche. Sie holen die wütende Meute vor diesen Felsen. Kurze Ansage vor dem zu erwartende Wunder. Passt gut auf, ihr Starrköpfe! Sollen wir euch Wasser aus diesem Felsen holen? Zwei kräftige Schläge gegen den Felsen: „Ozapft isch!“ Der Wasserstrahl ergoss sich mitten aus dem Felsen.

Aber weder Mose noch Aaron waren „Supermänner“. Gott hatte in Seinem Erbarmen und in Seiner Fürsorge eingegriffen. Mose raubte hier Gott die Ehre. Mose verbuchte das als seinen Erfolg und sein Können.

Wenn die Corona-Krise überstanden sein wird, wer heimst da die Lobbeeren ein? Die Regierung? Die Opposition? Die Forschung? Das RKI oder Gott?

Es ist Zeit zu erkennen, dass wir von Gottes treuer Bewahrung leben.

ER ist es, dem alle Ehre und alles Lob gebührt.

Egal, ob es die persönlichen Krisen oder die weltweiten Konflikte sind, die gelöst werden, als Beter sind wir nicht die Macher.

Jesus ist der Machthaber – wir sind Bittende.

Wieder neu diese Demut in der Krise zu lernen, ist ein großes Lernfeld.

Wo bist du , wo bin ich heute zum Umdenken herausgefordert?


Einen erfüllten und nachdenklichen Abend,


Bild "Abendandachten:lrappus.JPG"