Abendandacht Nr. 10


Guten Abend,

ziemlich genau vor 25 Jahren war ich als damaliger Landesjugendreferent auf meiner ersten erlebnispädagogischen Schulung. 11 weitere Leiter von Teenagerkreisen begleiteten mich 1995 nach Schladming. Hans Peter Royer, der damals diese Schulung leitete, mutete uns Einiges zu. Zum ersten Mal zog ich einen Klettergurt an. Wir sollten uns an einer 30 Meter hohen Felsenwand abseilen. Rückwärts an die Felskante zu gehen machte mir feuchte Hände. Mich dann auch noch mit durchgestreckten Beinen im 90-Grad-Winkel von der Felswand abzustoßen, kostete mich totale Überwindung. Einen kurzen Augenblick dachte ich daran, zu kneifen. Was, wenn etwas schiefgeht und das Seil reißt? Christine und ich planten die Hochzeit ... . 🙁

Schließlich nahm ich, als Hans Peter mich motivierte, allen Mut zusammen und ging über die Felskante. Ich machte die Erfahrung, das Seil hält. Zuerst zögerlich, dann mit immer mehr Freude, stieß ich mich von der Felswand ab und gelangte so sicher nach unten.

So ähnlich, dachte ich mir, muss sich Petrus wohl gefühlt haben, als Jesus ihn dazu aufforderte, auf dem See Genezareth aus dem Boot zu steigen. Auf dem Wasser gehen, was für eine Aufforderung. Ohne Schwimmweste und Rettungsring, was für ein Wagnis, das Jesus ihm abverlangte. Doch, zu aller Verwunderung, trug ihn das Wasser. Schritt um Schritt.

Auch unser Vertrauen ist gefordert. So eine Zeit haben die Wenigsten von uns jemals durchlebt. Wie soll das gehen? Und wie lange soll das so bleiben? Wird es womöglich noch schlimmer?

In der Bibel gibt es 365-mal die große und zutiefst tröstende Zusage Gottes: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir!“ Ängste und Sorgen lassen sich nicht einfach abstellen, wie am Morgen der Wecker. Furcht und Schrecken beeinflussen meine Gedanken und mein Erleben ohne, dass ich einfach die Stopptaste drücken kann.

Was helfen kann, ist, mit allem was mich umtreibt und mich ängstigen will, zu Jesus zu gehen. SEIN: „Fürchte dich nicht!“ als Sein Seil zu nehmen, das mich hundertprozentig hält. Mich bei IHM bergen zu können, wenn die Sorgengebäude in meinem Kopf riesig werden. Durch SEIN „Fürchte dich nicht!“ wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen und getrost den nächsten Schritt zu wagen.


Euer

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