Abendandacht Nr. 15


Guten Abend,

Bild "Abendandachten:Kammergriff2.jpg"es gibt für mich in dieser „besonderen Zeit“ immer wieder Begegnungen, die mich total hoffnungsvoll machen und mein Denken schlagartig ins Positive drehen – wenn ich einen Kinderwagen sehe. Babys, ein Zeichen, dass Gott die Hoffnung mit dieser Welt immer noch nicht aufgegeben hat.

Als ich zum ersten Mal bei einer Geburt, im Rahmen meiner Krankenpflegeausbildung, mit dabei war, habe ich gestaunt. Kaum war der neue Erdenbürger abgenabelt, begannen schon die Untersuchungen. Eine davon war der „Klammergriff“. Die Hebamme hielt dem Baby ihren Finger hin, und instinktiv griff es ganz fest zu, so dass die Schwester den Oberkörper des Babys anheben konnte. In China, habe ich gelesen, werden die Babys dazu sogar an eine Leine gehängt, um zu sehen, wie stark dieser „Klammergriff“ ist.

Was mich in dieser Ausnahmesituation unseres Landes unheimlich freut, ist, dass Viele nicht nur Klammern (meine Zeit, meine Komfortzone, mein Klopapier), sondern trotz des Abstands den wir voneinander halten müssen, ein großes Miteinander entsteht.

  • Schnapsbrennereien stellen Krankenhäusern Alkohol für Desinfektionsmittel zur Verfügung
  • Die Ultras des FC Heidenheim starten die „blaurote Hilfe“ – organisieren Einkäufe für Ältere und Geschwächte
  • Gastronomen kochen für Einsatzkräfte usw.

Den „Klammerreflex“ der Angst, im Leben zu kurz zu kommen, verändern zu lassen. Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, der viel gibt. Großzügigkeit macht glücklich.

In dieser Passionszeit staune ich wieder ganz neu über Jesus. Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir. Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.

Jesus wusste, dass Liebe Hingabe bedeutet. Es ging IHM nicht zuerst um sich. ER ließ alle Privilegien und Seinen Sonderstatus bei Gott hinter sich. Aus reiner Liebe ging ER den Weg in die Krippe, in alle Widerstände und allen Hass, ans Kreuz und ins Grab – für jeden Menschen – auch dich und mich.

Wir alle sind mit diesem „Kammergriff“, des Festhaltenwollens, geboren. Wir kümmern uns zuerst, manche gar ausschließlich, um ihr „kleines, privates Glück“. Egal, wie es Nachbarn, Kollegen oder Bekannten geht. Dabei dreht sich jeder nur um sich – ich, meiner, mir, mich! Diese Krise ist auch eine große Chance. Das einzuüben, was Jesus uns vorgemacht hat. IHN können wir bitten unsere Herzen, unser Denken und unsere Einstellung zu verändern. Nur ER kann das.

Diese Chance zu nützen hieße, mein Leben Jesus hinzugeben, weil ER sich zuerst für mich hingegeben hat.


Einen guten und besinnlichen Abend,

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