Abendandacht Nr. 33


Guten Abend,

als wir vor Jahren in den Sommerferien zum ersten Mal mit unseren Kindern an der Nordsee waren, ereignete sich folgendes: Wir hatten ihnen schon im Vorfeld erzählt, dass das Wasser dort am Strand kommt und geht. Kaum hatten wir unsere Koffer in die Ferienwohnung gebracht, wollten sie das Meer sehen.

So fuhren wir mit den Fahrrädern an den Strand und – kein Wasser. Die Enttäuschung stand unseren Kindern ins Gesicht geschrieben. Nur Schlick, kein kühles Nass zum Abkühlen. So sehnlich hatten sie sich auf das Wasser gefreut, und nun, da sie da waren, war Ebbe.

Ich hab mir gedacht, manchmal ist mein Empfinden über Gott so ähnlich.

  • Voller Erwartung bete ich, dass die Operation gut gehen möge,
  • der Arbeitsplatz erhalten bleibt,
  • ich nicht ernstlich an Corona erkranke oder
  • es bald mal wieder richtig regnen möge.
  • Ich habe eine konkrete Erwartung beim Beten, die sich nicht erfüllt.

Schnell ergreift einen dann das Gefühl – ich bin jetzt zu Gott gekommen, aber ER war nicht da oder hat mich übersehen. Manchmal bin ich von Gott frustriert, weil ich nicht verstehen kann, warum er nicht eingreift.

Wenn Gott auf dein Beten reagiert und deine Erwartungen an IHN erfüllt, dann glaubst, dass ER da ist. Alles in allem erscheint es dir aber so, wie es unseren Kindern am Meer erging – Gott kommt und geht.

Die Bibel ist ein unheimlich ehrliches Buch. Da kommen Menschen mit den genau denselben Empfindungen zu Gott und halten ihm ihre ganzen Zweifel und Enttäuschungen hin. Sie sprechen das aus, was ihnen so auf dem Herzen liegt und ihre Gedanken umtreibt.

  • Wie Angst sich bei ihnen breitmacht,
  • Hilflosigkeit sie lähmt oder
  • Sorgen ihnen die Kraft rauben.

Gott, warum hältst du dich zurück? Warum greifst du nicht ein? Wo bist du?

So haben Menschen in ihrer inneren Zerrissenheit und äußerer Not immer wieder mit Gott gesprochen. Für viele Beter der Psalmen war die Spannung einfach zu groß geworden.

Der Zwiespalt zwischen den gegebenen Zusagen Gottes, dass ER da ist und sich um sie sorgt, und den äußeren Tatsachen, dass Feinde (Viren) ihrem Land zusetzen und ihnen so viel Unsicherheit und Not widerfährt.

Was mich aber immer wieder beim Lesen der Psalmen fasziniert, dass die Beter, auch wenn sie bestimmte Wegführungen ihres Lebens nicht verstehen, letztendlich doch Vertrauende bleiben. Sie klagen vor Gott und nicht gegen ihn.

  • Vielleicht fühlen Sie sich gerade von Gott verlassen.
  • Sie sind enttäuscht, dass sich die Lage in der Familie nicht zum Besseren verändert oder dass das Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten noch schwierig ist,
  • die Kontaktbeschränkungen das Leben beschweren
  • und die finanzielle Last zu drücken beginnt.

Wenn sich Dinge, trotz Gebet, nicht verändern, dann will Gott mich verändern durch meine Last, die ER mir zumutet.

Ein Freund von mir arbeitete viele Jahre als Missionar im Hochland von Papua-Neuguinea. Wenn in der Regenzeit die Bäche zu reißenden Strömen wurden, über die keine Brücke führte, hatten sie eine sehr einfache Lösung.

Sie wussten, sie mussten durch den Fluss und so nahmen sie einen möglichst schweren Stein mit sich und trugen ihn durch den Fluss. Dieser Stein gab ihnen Halt in der Strömung. Ohne Beschwerung wären sie weggespült worden.

Bild "Abendandachten:Stein_heben.jpg"

Die Last, die mir Jesus auflegt, hat einen tieferen Sinn. Unter der Last gewinne ich Bodenhaftung zu den Nöten anderer. Ich bleibe so in der Abhängigkeit zu Jesus und suche Seine Nähe und Hilfe.

Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Psalm 121

In diesem Vertrauen wünsche ich Dir noch einen guten Abend.


Bild "Abendandachten:lrappus.JPG"