Abendandacht Nr. 44


Guten Abend,

Durch die ganze Corona-Pandemie herrscht überall Ausnahmezustand. Nicht nur Geschäfte sind zu. Auch Kirchen und Schulen haben geschlossen. Der ganze Flugverkehr ist zum Erliegen gekommen. Überall an den Küsten sind die Strände gesperrt. Wo normalerweise Tausende in ihren Liegestühlen liegen, baden oder surfen, ist paradiesische Ruhe eingekehrt.

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Obwohl ich noch nie auf einem Surfbrett stand, muss ich sagen, dass mich diese Fertigkeit und das Können voll beeindrucken. Wie viel Kraft, Erfahrung und Körperbeherrschung gehören dazu, um so eine Welle „bis zum Ende zu reiten“. Den Kräften der Natur ausgesetzt zu sein, und mit ihnen zu spielen. Das Auf und Ab dieser meterhohen Wasserberge, die mit so viel Energie und Dynamik einem entgegenkommen.

Auf und Ab, das kennt jeder. Nicht jedes Mal ist es so angenehm, wie beim Surfen.

Auf und Ab in der Ehe.

Auf und Ab im dem Erfolg.

Auf und Ab mit der Gesundheit.

Aber auch in meiner Beziehung zu Jesus kenne ich das.

Tief beeindruckte Zeiten Seines Naheseins.

Die fast greifbare Präsenz Gottes im Beten und Hören.

Die tiefe Geborgenheit Seiner Liebe und Seines Trostes.

Großartige Erfahrungen Seiner Fürsorge und Seines Helfens.

Lobpreis, der mein ganzes Leben als Resonanzraum hat.

Tief bewegend, schön, ergreifend und ermutigend.

Ich könnte die ganze Welt umarmen und laut hinaussingen: „So groß ist der HERR…!“

Aber dann kenne ich auch diese Wellentäler in meinem Leben.

Enttäuschung über mich oder Ereignisse, die mich nach unten ziehen.

Das Gefühl, dass alle meine Gebete irgendwie an der Decke hängen bleiben.

Gottes Liebe ist mir irgendwie fremd und fern geworden.

So einen Wellenritt beschreibt das Richterbuch. Durch seinen Boten spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit und hierhergebracht. Aus der Gewalt der Ägypter und aller anderen Unterdrücker habe ich euch gerettet. Ich vertrieb sie und gab euch ihr Land. Damals sagte ich zu euch: Ich bin der HERR, euer Gott. Verehrt nicht die fremden Götter, in deren Land ihr wohnt. – Aber ihr habt nicht auf mich gehört!«

Ich entdecke mich da wieder. Ich habe Gottes Treue und Hilfe so oft erfahren. Seine Weitsicht und Maßarbeit, meist erst im Nachhinein erkannt.

Wie Jesus mich beschützte, und mich Wege in die Freiheit hat finden lassen.

Das 6. Kapitel des Richterbuches erzählt die Berufungsgeschichte Gideons.

In das Auf und Ab der Gottesverehrung – in das Hingerissen sein zu Gott – und dem Hergerissen sein, zu den Götzen und hohlen Versprechungen dieser Zeit, wird Gideon als „tapferer Held“ hineingestellt.

So eine Anrede muss einem doch Zuversicht geben, oder?

So eine Betitelung muss doch die Motivation nach oben treiben.

Bevor Gideon diese göttliche Berufung annimmt, hat er Klärungsbedarf.

Bitte, mein Herr, wenn der HERR mit uns ist, warum hat uns denn das alles getroffen? Und wo sind all seine Wunder, von denen uns unsere Vorfahren erzählt haben, wenn sie sagten: Hat der HERR uns nicht aus Ägypten heraufkommen lassen? Jetzt aber hat uns der HERR verworfen und uns in die Hand unserer Feinde, Midians, gegeben. Da wandte sich der HERR ihm zu und sprach: Geh hin in dieser deiner Kraft und rette Israel aus der Hand Midians! Habe ich dich nicht gesandt?

Gideon will die Zusammenhänge verstehen. Gideon ist wie ich und du. Er fragt: „Gott, warum passiert das und jenes in meinem Leben?“

„Warum geschieht so viel Leid und Not in dieser Welt?“

„Gott, ich kann deine Führung nicht verstehen!“

Aber Gott erklärt sich nicht! ER möchte mein Vertrauen! ER möchte, dass ich tue, was ER von mir verlangt.

Gideon lässt sich darauf ein und wird so zum Segen für sein ganzes Volk.

Auch wenn ich Jesus in Seinem Handeln nicht begreifen kann, das Vertrauen zu haben, dass Sein Wille gut für mich und mein Umfeld ist.

Dietrich Bonhoeffer sagte einmal: „Nur der Gehorsame glaubt und nur der Glaubende ist gehorsam!“

Einen vertrauensvollen Abend.



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