Abendandacht Nr. 46


Guten Abend,

als ich gestern Abend wieder in der Corona-Ambulanz arbeitete, erzählte mir eine Kollegin eine wunderbare Begebenheit. Ihr 13 – jähriger Enkel ist leidenschaftlicher Angler (das macht mir den Jungen sympathisch). Als er letzten Sommer zu Besuch war, lief er mit der Angel zu einem abgelegenen Teich. Zu seiner Enttäuschung, war der aber fast ausgetrocknet. Im Morast bewegte sich was. Der Junge watete in seinen Gummistiefeln dorthin. Er fand drei Karpfen, die mit dem Tod kämpften. Schnell holte er eine große Wanne.

Vorsichtig legte er die Fische hinein und ließ frisches Wasser hineinlaufen. Dann fuhr ihn meine Kollegin, mit den Fischen, an die nahegelegene Brenz. Als die Karpfen dort ins Wasser kamen, machten zwei richtige Luftsprünge, vor lauter Freude. Der eine Karpfen konnte nicht mehr springen. Er war verletzt. Er schwamm in leichter Schieflage im Kreis herum.  

Und dann passierte das Erstaunliche. Statt sich weiter ihrer wiedergewonnenen Freiheit zu erfreuen, kamen die zwei gesunden Karpfen zu dem schwachen. Sie nahmen ihn stützend in ihre Mitte und schwammen so die Brenz hinunter.

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Niemand weiß, wie die Geschichte für den verletzten Karpfen ausgegangen ist, aber ich dachte mir, das ist ein wunderbares Bild. Gerade in dieser Notzeit. Eine starke Erinnerung, was jetzt dran ist, finde ich.

Statt wieder mit voller Kraft ins Leben „abzuhauen“ und „durchzustarten“, sobald der „lockdown“ beendet ist, eben achtsam durchs Leben zu geben. Sensibel für Menschen zu sein, die meine Hilfe, Zuspruch und Ermutigung benötigen.

  • Die Besorgten, die um ihre Existenz kämpfen – hinzuweisen auf den, DER sorgt.
  • Den Traurigen, die nur noch das Dunkel sehen – das Licht von Ostern zu zeigen.
  • Den Stummen, die ihre Hoffnung verloren haben – den Messias zu präsentieren.
  • Den Ruhelosen, die vor lauter Aktivität das Ziel aus den Augen verloren haben, den Friedefürst zu empfehlen.

Jesus ist mir dabei das große Vorbild. ER hat sich nie um sich gedreht. Es ging IHM um Wiederherstellung der Gebeugten, Entmutigten und von Schuld Beladenen.

Seine Liebe war nicht berechnend, nicht Mittel um Seine Ziele zu erreichen. Er ging IHM immer darum, zu zeigen, wie der Himmlische Vater ist.

So brachte Er Menschen ins Fragen. Es entstand eine Sehnsucht, Gott neu zu suchen. IHN persönlich kennenlernen.

Eben nicht nur einer Tradition, einem alten, religiösen Erbe zu folgen, sondern JESUS, dem menschgewordenen Sohn Gottes.

Wenn du an Jesus glaubst, ist das dein Auftrag, den ER dir gegeben hat. Du bist einer der gesunden Karpfen, der den kranken in die Mitte nehmen soll. Vielleicht sagst du: „Ich bin doch alt, krank und eingeschränkt, wie soll denn das gehen?“ Durchs Gebet. Bete für die, die deine Hilfe nötig haben.

Vermittle sie weiter an andere, die helfen können. Baue Brücken.

Denn Jesus hat ein Erkennungszeichen für Sein „Bodenpersonal“ ausgegeben: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Ich weiß, dass ich das aus eigener Kraft niemals schaffe. Das überfordert jeden, der das ernsthaft versucht. Gott sei Dank, brauche ich das nicht nur aus mir heraus leisten. Es geht nicht um frommen Aktionismus. Paulus beschreibt die Kraftquelle allen geistlichen Lebens einmal so: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist!“

Somit wird ein Leben in der Nachfolge Jesu, allein durch IHN selbst möglich! ER in mir – Dynamik des Glaubens. Mein Leben soll der „Gorch Fock“ gleichen, dem Segelschulschiff der deutschen Marine. Sein Geist, der Heilige Geist, soll mich bewegen und voranbringen, damit ich zu dem fähig werde, was ER möchte. Mein Leben auszuspannen, damit Seine Kraft kräftig hineinblasen kann.

Die Karpfen werden mir ein Beispiel sein, von der Liebe, die ER bewirken will.


Einen erfüllten Abend,


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