Abendandacht Nr. 47


Guten Abend,

als Gott der HERR die Mutter schuf, machte er am sechsten Tag Überstunden. Da erschien ein Erzengel, schaute eine Weile zu und sagte dann: „Herr, Du bastelst aber schon lange an dieser Figur!“ Und Gott sprach: „Hast Du die vielen Sonderwünsche auf der Bestellung gesehen?

  • Sie soll pflegeleicht, aber doch empfindsam sein.
  • Sie soll 160 bewegliche Teile haben, Nerven wie Drahtseile.
  • Einen Schoß, auf dem einige Kinder gleichzeitig sitzen können und
  • trotzdem muss sie auf einem Kindersessel Platz haben.
  • Sie soll einen Rücken haben, auf dem sich alles abladen lässt.
  • Sie soll in einer überwiegend gebückten Haltung leben können, ohne Rückenschmerzen zu bekommen.
  • Ihr Trost soll alles heilen, von der Beule bis zum Seelenschmerz.
  • Sie soll sechs Paar Hände haben…“

Da meinte der Engel: „Sechs Paar Hände, das wird nicht möglich sein.“ „Die 6 Paar Hände – kein großes Problem. Aber die 3 Paar Augen, die sie haben muss.“

Wieder fragte der Erzengel: „Gehören die denn zum Standardmodell?“

Gott nickte: „Ein Paar Augen, das durch geschlossene Türen blickt, während sie fragt: „Was macht Ihr denn da drüben?“ – obwohl sie es längst weiß.

Ein weiteres Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muss.

Und natürlich noch zwei Augen vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt. Zu dem sie trotzdem sagt: „Ich verstehe Dich und hab Dich sehr lieb!“ – ohne dass sie ein einziges Wort spricht.“ „O Herr!“, sagte der Engel und zupfte ihn am Ärmel, „geh jetzt schlafen und mach morgen weiter!“

Doch Gott erwiderte: „Ich kann nicht, denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnlich ist. Ich habe es bereits geschafft,

  • dass sie sich selbst heilen kann, wenn sie krank ist.
  • Dass sie eine Lieblingsspeise für alle kochen kann.
  • Dass sie eine 3- Jährige davon überzeugen kann, dass Buntstifte nicht essbar sind.
  • Dass sie einen 6- Jährigen dazu bringen kann, sich vor dem Essen Hände zu waschen.
  • Dass sie 10- Jährigen erklären kann, dass Füße zum Gehen sind und nicht um andere zu treten.“

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Der Engel ging um das Modell der Mutter herum, seufzte: „Zu weich. Viel zu weich“.

„Aber sehr zäh! Du glaubst gar nicht, was sie alles leisten und aushalten kann!“

Der Engel fragte: „Kann sie auch denken?“ Der Gott lachte: „Nicht nur denken, auch diskutieren, urteilen und Kompromisse schließen – und vergessen.“

Noch einmal fragte der Engel: „Das alles könnte doch auch ein Roboter. Warum plagst Du Dich so - mit diesem Modell?“

Gott erklärte: „Eine Maschine ist kalt und nicht sehr beweglich. Eine Mutter hat Gefühle, damit schenkt sie Wärme, Liebe, Geborgenheit, Geduld, Trost.

Sie zeigt ihre Gefühle und gibt sie weiter.

Sie ist das, was die Sonne für die Welt ist.

Ohne sie ginge gar nichts in der Menschheit. Alle brauchen sie.“

Schließlich beugte sich der Erzengel vor und fuhr mit einem Finger über Augen und Wangen. Dann rief er: „Da ist ein Leck! Das läuft was aus! Ich habe Dir ja gesagt, Du versuchst zu viel in das Modell hineinzupacken.“

Doch Gott erklärte: „Das ist keine undichte Stelle. Das ist eine Träne. Sie fließt bei Freude, Trauer oder Enttäuschung, bei Schmerz oder Verlassenheit. Die Tränen sind das Überlaufventil!“

Da sagte der Engel voller Bewunderung: „HERR, Du bist ein Genie!“ Gott lächelte versonnen und sprach: „Ich weiß. Und darum ist mir eine gute Mutter so ähnlich.


Einen gesegneten Muttertagsabendsonntag,


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