Abendandacht Nr. 62


Guten Abend,

an einer gefährlichen Küste machten vor Zeiten ein paar Leute eine Seenot-Station für Schiffbrüchige auf. Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Damit wagte sich eine kleine, mutige Mannschaft immer wieder, bei Tag und Nacht, auf das Meer hinaus, um Menschen in Seenot zu helfen.

Bald war dieser kleine Stützpunkt überall bekannt. Viele der Geretteten und auch andere Leute aus der Umgebung waren gern bereit, die armselige Station mit Spenden zu unterstützen. Die Zahl der Gönner wuchs und wuchs.

Mit dem Geld, das sie spendeten, wurde die Seenot-Station großzügig ausgebaut, immer schöner und komfortabler. Sie wurde allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort. Schließlich diente sie den Stations-Leuten als eine Art Clubhaus. Immer mehr Mitglieder der alten Mannschaft weigerten sich nun, auszufahren und Menschen in Seenot zu bergen.

Sie wollten den Bergungsdienst einstellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei. Ein paar Mutige, die den Standpunkt vertraten, dass Lebensrettung ihre wichtigste Aufgabe sei, trennten sich von ihnen.

Nicht weit davon entfernt begannen sie mit geringen Mitteln eine neue Seenot-Station aufzubauen. Aber auch diese ereilte nach einiger Zeit dasselbe Schicksal: ihr guter Ruf verbreitete sich schnell, es gab neue Gönner, und es entstand ein neues Clubhaus.

So kam es schließlich zur Gründung einer dritten Rettungsstation. Doch auch hier wiederholte sich die gleiche Geschichte Wer heute diese Küste besucht, findet längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffbrüchigen zum Verhängnis; nur - die meisten von ihnen ertrinken.

Diese Geschichte fordert mich als Pastor heraus. Geht es unseren christlichen Kirchen und Gemeinden nicht oft genauso? Sie verlieren ihren Auftrag aus dem Blick, weil anderes einfacher und reizvoller ist, als Mitmenschen den Rettungsring des Evangeliums zuzuwerfen und ihnen durch den Glauben an Jesus Christus wieder festen Boden unter den Füßen zu geben.

Ja, es braucht Einsatz, Entschiedenheit und Mut, sich dem Gegenwind der Meinungen und des Zeitgeistes entgegenzustellen. Es braucht Leute, die sich der Beauftragung Gottes für diese Zeit stellen.

Du bist an dieser Stelle gefragt. Auch in „deinem Küstenabschnitt“ kentern unzählige Menschen an ihrer Schuld und Sünde. Die Retterliebe Jesu fordert auch dich zum Handeln, zum Rausrudern, heraus.


Euer

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