Abendandacht Nr. 7


Guten Abend,

heute früh bat mich meine Frau, das Mittagessen zu machen. Spontan entschied ich mich für Pizza. Ein Blick in den Kühlschrank – o Schreck, der letzte Würfel Hefe. Seit dem Ausbruch von Corona war in keinem Geschäft in Heidenheim mehr Hefe zu bekommen. Als ich den Hefeteig etwas später knetete, betete ich so mehr beiläufig dafür, Hefe irgendwo zu bekommen. Für ein älteres Gemeindeglied machte ich dann noch kurz einen Einkauf und schaute dabei ins Kühlregal. Wie in den letzten Wochen, keine Hefe weit und breit. Als ich an einer Verkäuferin vorbeikam, die gerade Regale einräumte, fragte ich: „Haben sie eigentlich noch Hefe?“ Nein, alles seit Wochen ausverkauft!“ Das hatte ich ja auch schon bemerkt, aber die Hoffnung stirbt ja als letztes🙁.

Ich machte meine Besorgungen und als ich auf dem Rückweg wieder an der Verkäuferin vorbeiging, sagte sie: „Warten sie mal, hier habe ich noch einen Pack Trockenhefe. Wie viele Päckchen wollen sie denn?“ Ich war echt beschämt, als ich wenige Augenblicke später drei Hefepackungen in den Händen hatte. Ich kam mir vor, wie wenn ich richtig „fette Beute“ gemacht hätte.

In Psalm 119, dem längsten aller Psalmen, sagt David: „Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht!“ Die Bibel… Mancher wird nun vielleicht die Augenbrauen hochziehen. Alte Kamelle – ein Buch mit sieben Siegeln… Was soll daran schon „große Beute“ sein? Als ich so darüber nachdachte, wurde mir ganz neu bewusst, warum das wirklich immer noch aktuell ist. In diesem Bestseller der Weltliteratur fällt Gottes Licht auf mein Leben. Seine Sicht über mich wird klar. Mein Fehlverhalten, meine Eitelkeit, mein Stolz und mein oft destruktives Reden werden angesprochen und entlarvt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum viele Zeitgenossen die Bibel gar nicht mehr oder sehr selten in die Hand nehmen. Da kommen Dinge zum Vorschein, da werden Themen angesprochen, die ich lieber schlummern lassen will und nicht drangehe.

Diese „große Beute“ fällt dem in die Hände, der den Mut hat, sich dem zu stellen. Er entdeckt nämlich auch, dass ich im Licht Gottes „heil werden kann“. In dem ich meine eigene Dunkelheit wahrnehme, weißt mit Gott eben den Weg zur Vergebung, zur Versöhnung und zur Freiheit. Ich erkenne das Geschenk, das Jesus mir gemacht hat. ER hat den Zorn Gottes, den ich verschuldet habe, für mich und jeden Menschen getragen. ER löffelt die Suppe aus, die ich mir eingebrockt habe. ER steht für mich gerade. ER bezahlt die Hypothek, die auf meinem Leben gelastet hat, bis auf Heller und Pfennig. ER kauft mich frei, aus dem Gefängnis meiner Verfehlungen und Sünden.

Durch sein Wort bin ich mir Seiner Liebe gewiss. Dieser Liebesbrief Gottes verändert mein Leben. Jeden Tag sich ihm auszusetzen, verändert mich nach und nach. Ich werde dadurch unmerklich anders. Es beeinflusst mein Reden. Es verändert meine Entscheidungen. Es korrigiert meine Sicht über mich, meinen Nächsten, die Welt und die Zukunft. Mein guter Rat: „entstaub doch mal deine Bibel!“ Hol sie vom Regal, wo sie ihr ungeachtetes Dasein fristet. Beginn mal im Lukasevangelium zu lesen und zu entdecken, was da aufblitzt. Auch wenn vielleicht ein paar Tage nichts „Gewaltiges“ passiert, bleib dran. Es ist eine „fette Beute“ ein „großer Gewinn“ ein „gewaltiger Schatz“, der geborgen werden möchte.

Übrigens, die Pizza ist super geworden. Ich habe noch ein Päckchen Hefe verschenkt und damit jemandem eine kleine Freude bereitet oder sogar „große Beute“.


Euer

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