Abendandacht Nr. 74


Guten Abend,

gerade habe ich die morgige Predigt über Jeremia 18,1-6 beendet. Der Töpfer, der den Tonklumpen auf der Töpferscheibe formt. Zuerst misslingt das Werkstück, und er knetet es zusammen und beginnt von vorne. Ein Gefäß entsteht, dass etwas taugt und den Ansprüchen des Töpfers genügt.

Bild "Abendandachten:Toepfer2.jpg"Es ist mein tägliches Gebet: „Herr, verändere mich, so wie du willst!“ Ich spüre wie schwer mir das fällt. Wie sich mein Ego meldet, wie sich meine Erfahrungen und meine charakterliche Eigenheit dagegen auflehnen. Paulus hatte mit deiner Beurteilung recht: Die menschliche Natur richtet sich mit ihrem Begehren gegen den Geist Gottes, und der Geist Gottes richtet sich mit seinem Begehren gegen die menschliche Natur. Die beiden liegen im Streit miteinander, und jede Seite will verhindern, dass ihr das tut, wozu die andere Seite euch drängt. Wenn ihr euch jedoch vom Geist ´Gottes` führen lasst, steht ihr nicht mehr unter ´der Herrschaft` des Gesetzes.

Mich an Jesus zu binden und mich von IHM verändern zu lassen, im vollen Vertrauen, dass er es gut mit mir meint, schränkt mein Leben nicht ein, sondern ermöglicht es mir erst, mich voll entfalten zu können. Voraussetzung dafür aber ist, dass Gott mein Herz, mein Denken und Wollen verändert hat. Gott bietet mir eine göttliche Herztransplantation an – von Neuem geboren zu werden: „Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Leib wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.

Als Menschen, die Gott über alle Dinge lieben – verändert sich auch der Blick und die Einstellung zu ganz vielen Fragen unserer Zeit. Mich hat die Diskussion über die „selbstbestimmten Selbsttötung“ innerhalb der Kirche sehr geschockt. Wer ist eigentlich der Herr, Erhalter und Gestalter meines Lebens?“ Ich gehöre nicht mehr mir selbst, sondern in guten, wie in schweren Zeiten meinem himmlischen Vater. „Meine Zeit, steht in deinen Händen“, weiß schon David.

Eine Kirche, die sich auf die Reformation bezieht, sollte zur Kenntnis nehmen, was Martin Luther, der niemals auf die Idee eines ‚assistierten Suizids‘ gekommen wäre, den Sterbenden zugerufen hat: „Nun siehe, was soll dir dein Gott mehr tun, dass du den Tod willig annimmst, nicht fürchtest und überwindest? Er weist und gibt dir in Christus das Bild des Lebens, der Gnade und Seligkeit, so dass du vor dem Bild des Todes, der Sünde und der Hölle dich nicht entsetzest. Er legt dazu deinen Tod, deine Sünde und deine Hölle auf seinen liebsten Sohn und überwindet sie dir und macht sie dir unschädlich. Er lässt dazu deine Anfechtung des Todes, der Sünde und der Hölle auch über seinen Sohn gehen und lehrt, dich darin zu halten und macht sie unschädlich, ja erträglich. Er gibt dir des alles ein gewisses Wahrzeichen, dass du ja nicht daran zweifelst, nämlich die heiligen Sakramente“. (Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben, 1519)


Mit herzlichen Grüßen,

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